Pegasus & Coastiality: Betrieb des VR-Rides wird eingestellt

In einem interessanten Interview welcher der Schweizer Tages-Anzeiger mit Roland und Michael Mack führte, kam zum Vorschein, dass der Betrieb des „Pegasus Coastiality“ in der kommenden Saison 2017 eingestellt wird und sich der Besucher dafür beim „Alpenexpress Coastiality“ die Auswahl hat zwischen mehreren Welten zu wählen. Ebenso werden zwei ältere Bahnen wohl „saniert“, doch auch eine Neuanschaffung ab 2018, nachdem der Wasserpark gebaut wurde, sprechen für sich. Das Interview haben wir übersichtlich für Euch zusammengepackt.

Die Saison geht im Januar zu Ende. Werden Sie die Zahl von 5,5 Millionen Besuchern 2015 toppen?
Roland Mack: Den Rekord werden wir schaffen. Wir erleben das beste Jahr in der Geschichte des Parks. Im Winter sehen wir generell starke Zuwachsraten, im Sommer ist das Wachstum aufgrund der guten Auslastung weniger ausgeprägt. Erfreulich ist natürlich die ganzjährige Vollauslastung bei den Hotels. Wir haben schon 30 Prozent der Hotelkapazität für das nächste Jahr verkauft. Besonders ist ein Besucherzuwachs aus der Schweiz zu verzeichnen, egal ob in den Hotelübernachtungen oder bei den Tagesgästen.

Der 67-jährige Roland Mack hat aus einem kleinen Märchenpark in Rust die grösste Touristenattraktion Deutschlands gemacht. Foto: PD

Der Europa-Park gilt als beliebtestes Reiseziel in Deutschland. Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?Roland Mack: Wir haben immer noch Spielraum. Ein Weg, mit dem Thema ­Zufriedenheit umzugehen, ist unser Beschwerdemanagement, ein weiterer sind laufende Befragungen von Besuchern über das ganze Jahr.

Wie reagiert das Publikum auf den 2016 eröffneten irischen Themenbereich, der sich vorwiegend an Familien richtet?
Roland Mack: Damit haben wir die Seite des Parks Richtung Dorf sehr verstärkt. Ich war anfangs kritisch wegen des Umbaus des ehemaligen Kinderlandes, und wir haben in der Familie lange darüber diskutiert. Warum sollte man etwas verändern, das beliebt ist? Doch der Schritt hat sich gelohnt, wir haben dort einen anziehenden Bereich für die Familien geschaffen.
Michael Mack: Der Themenbereich ist auch Teil der Strategie, die Westseite des Parks zu verstärken. Die grossen Achterbahnen ziehen die Besucherströme stark auf eine Seite. Mit der Arthur-Bahn als bedeutender Anlage, auf der 12 000 bis 15 000 Besucher fahren können, und Irland mit einer ähnlichen Kapazität, konnten wir dort ansetzen. Schon mein Grossvater hat gesagt, dass wir im Park Spass für die ganze Familie bieten müssen. Der Märchenwald grenzt ja an dieses Gebiet und liegt vor unserer eigenen Haustür. Mein Bruder Thomas und ich sind dort gross geworden, damit haben wir viele Kindheitserinnerungen verbunden. Es war klar, dass wir dort einen Familienbereich schaffen.

Der 37-jährige Michael Mack ist in diesem Jahr zusammen mit seinem jüngeren Bruder Thomas (35) in die Geschäftsleitung des Unternehmens aufgestiegen.
Foto: PD

Welche neuen Projekte stehen in Ihrem Achterbahnunternehmen Mack Rides in Waldkirch an? Ihre Auftragsbücher sind voll bis 2019, wie Sie neulich an einem Treffen mit Kunden gesagt haben.
Roland Mack: Neue Bahnen zu ent­wickeln, wird immer schwieriger. Viele Dinge sind bereits gebaut.
Michael Mack: Im Bereich der Achterbahnen wird es schwierig. Wir haben noch zwei Altsanierungen vor uns mit den Achterbahnen Euro-Mir und Euro-Sat. Es gibt auch die Bestrebungen, ab 2018 nach dem Bau des Wasserparks eine neue Anlage zu errichten. Für diese Bahn stehen bereits gute Ideen im Raum. Grundsätzlich ist es für uns interessant, im 360-Grad-Ansatz zu denken. Achterbahnen bauen, das können viele, aber das Erlebnis auch digital zu erweitern, das ist selten.

 

Sie sprechen die Virtuelle Realität (VR) an, die Sie mit dem Erlebnis auf den Bahnen kombinieren. Ist damit auch eine Erweiterung im Schweizer Bereich möglich?
Michael Mack: Wir würden sehr gerne ein Animationserlebnis rund um die Geschichte des Schellen-Ursli anbieten. Entsprechende Gespräche sind im Gang. Die Möglichkeit, eine Achterbahn mit VR-Brille zu fahren, werden wir ab einem gewissen Zeitpunkt in der nächsten Saison beim Alpenexpress konzentrieren. Bislang war dies auch noch bei der Pegasus-Achterbahn möglich. Der Kunde wird beim Alpenexpress die Auswahl zwischen mehreren Welten haben. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dort auch der Schellen-Ursli dazu ­passen könnte.

Warum konzentrieren Sie die VR-Brillen nur auf eine Bahn?
Michael Mack: Ein Grund ist, dass die Achterbahn Pegasus an Attraktivität verliert, wenn die Kapazität tiefer ausfällt, weil die Vorbereitung auf die Fahrt mit VR-Brille eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Logo des Alpenexpress Coastiality

Mit der Digitalisierung sind auch disruptive Entwicklungen, also Brüche, denkbar, wie sie jetzt etwa das Taxigewerbe mit der App Uber erlebt. Ist so etwas auch in Ihrer Branche möglich?
Michael Mack: Es wäre vermessen, heute zu sagen, wohin die Entwicklung geht. Die stärkere Vernetzung von Dingen wird kommen, und bei dieser Entwicklung sollte man besser dabei sein. Wir dürfen aus den digitalen Erlebnissen jedoch kein ausschliessendes Element machen. Das ist der Grund, weshalb wir im Alpenexpress nur einen Teil der Plätze mit VR-Brille ausstatten.
Roland Mack: Womöglich kommt es ja auch eines Tages zu einer Gegenbewegung: Weg von der virtuellen Realität und hin zum direkten Erleben. Wenn ich mir überlege, dass heute schon viele Menschen mit der digitalen Welt überfordert sind, beispielsweise, was auch die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Wir müssen darauf achten, dass wir die Menschen nicht überfordern.
Michael Mack: Für uns als Parkbetreiber wird es wichtig sein, vielseitig zu sein und in viele Dinge hineinzugehen. Wir haben so viele Chancen, die Plattform Europa-Park auszuweiten, und gleichzeitig müssen wir darauf achten, wohin der Trend geht. Wenn der Wunsch nach dem Switch-off wächst, sollten wir eine Auszeit anbieten können. In der Region bieten sich so viele Chancen, wo wir wachsen könnten. Die grundsätzliche Möglichkeit, das Handy im Park zu nutzen, muss ich aber natürlich anbieten.

Szene aus „Pegasus Coastiality“ – ab 2017 nur noch in Erinnerung der Fahrgäste
Quelle: MackMedia

In den vergangenen Jahrzehnten stand die Entwicklung des Parks im Fokus. Folgt nun die Expansion durch ein System mit weiteren Niederlassungen?
Michael Mack: Ich schliesse das nicht aus. Wer hätte gedacht, dass wir einmal als Familienunternehmen nicht nur Achterbahnen bauen, sondern auch ein Freizeitparkbetreiber werden? Wer hätte gedacht, dass wir Hoteliers werden und zwei «Michelin»-Sterne in einem Freizeitpark haben? Wir sind heute schon dabei, auch dank der Digitalisierung unseren Aktionsradius zu erweitern. Wir verleihen beispielsweise digitale Filme an 28 Standorte und haben in den vergangenen 14 Monaten 30 Installationen mit VR-Brillen verkauft. Das ist ein ähnlicher Mechanismus, wie es auch bei den Achterbahnen war. Die Bahnen wurden in unserem Park getestet, und dann gingen sie in die weite Welt hinaus.

Inzwischen wächst die neunte Generation heran. Ihr Sohn respektive Enkel ist sechs Jahre alt. Was machen Sie gleich im Umgang mit Ihrem Sohn, was das Leben im Park anbelangt, und was machen Sie anders als Ihr Vater Roland?
Michael Mack: Wenn Sie meine Frau fragen, würde sie wohl sagen, dass ich das meiste gleich mache wie mein Vater. Ich versuche aber schon, vieles mit meinem Sohn gemeinsam zu erleben.
Roland Mack: Im Grunde sind wir ja immer daheim. Der Europa-Park ist unsere Heimat. Für uns ist dieser Übergang zwischen Privat und Geschäft nicht so spürbar. Im Grunde ist der Park unser verlängertes Wohnzimmer.

Intro des Trailers zu „Project V“
Quelle: Europa Park

Ihr Bruder Thomas und Sie sind im April zu Geschäftsführern des Parks ernannt worden. Was haben Sie seither verändert?
Michael Mack: Sicherlich gilt es, die Tradition und die Geschichte zu wahren. Wir sehen uns als Treuhänder des Unternehmens. Das Ziel ist es auch, dem Vater das Gefühl zu geben, dass man sein Werk gut bewahrt und fortführt. Einen Weg sehen wir dabei darin, auch standortunabhängiger zu werden und vielleicht sogar den Schritt zu gehen, den Walt Disney vollzogen hat – nur andersherum. Walt Disney hat zuerst mit Filmen begonnen und dann die Parks entwickelt. Wir könnten das umdrehen und die Digitalisierung nutzen. Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem das Wachstum hier in der Region zu Ende sein wird. Das wird jedoch noch nicht in den kommenden fünf Jahren der Fall sein.

Wie steht es um die Sicherheit im Europapark?
Roland Mack: Wir wären schlechte Unternehmer, wenn wir dem Thema nicht die notwendige Beachtung schenken würden. Unser Konzept legen wir nicht offen. Aber wir investieren natürlich in die Sicherheit des Parks.

Screenshot der Baugenehmigung
Quelle: Twitter Michael Mack

Im Januar planen Sie die Eröffnung einer neuen Veranstaltungshalle mit 6000 Gästen, und in der neuen Saison soll der unter dem Codenamen „Project V“ bekannte mehrdimensionale Flugsimulator starten. Wie liegen Sie mit Ihren Vorhaben im Zeitplan?
Roland Mack: Die Veranstaltungshalle wird mit dem Start der Europatournee von DJ Bobo am 13. Januar eingeweiht. Das Projekt V soll im nächsten Jahr eröffnet werden. Die Anlage hat einen starken Bezug zur Schweiz. Für den Wasserpark rechnen wir in den nächsten Tagen mit der Baugenehmigung und einem Baustart sowohl für das angeschlossene Hotel als auch den Wasserpark im nächsten Februar. (Anmerkung der Redaktion CoastersTalk: Baugenehmigung wurde bereits erteilt – wir berichteten) Wir leiden im Moment jedoch etwas unter der Auftragslage in Deutschland – wegen der tiefen Zinsen herrscht ein regelrechter Bauboom, und es ist schwierig, Unternehmen mit freier Kapazität zu finden. Das Hotel wird Anfang der Saison 2019 in Betrieb gehen, und der Wasserpark soll immer noch 2019 eröffnet werden.

Rechnen Sie im Wasserpark auch mit Tagesgästen aus der Schweiz?
Roland Mack: Das ist ein zentrales Thema. Die spontanen Besucher – etwa aus der Schweiz – werden ein Online­Ticket benötigen, sonst kann es ihnen passieren, dass die Hotelgäste die Kapazität belegt haben. Diese Frage haben wir aber noch nicht im Detail geklärt.

 

Wir, die Redaktion von CoastersTalk danken dem TagesAnzeiger für die Veröffentlichungsrechte des Artikels.

Autor dieses Beitrags: Markus

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